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Vergleich · Cloud-Kanzleisoftware

Actaport vs. Legalvisio

Zwei deutsche Cloud-natives, fast identische Einstiegspreise, sehr unterschiedliche Philosophie. Welche Software passt zu welcher Kanzlei?

In einem Satz

Wer Microsoft 365 inkludiert haben will und auf Azure DE setzt, nimmt Actaport. Wer ein etabliertes Word-Add-In, Rechtsschutz-Abrechnung und ein aggressives Gründerangebot (6 Monate kostenfrei) braucht, nimmt Legalvisio. Beide Anbieter starten effektiv bei ~€79/Nutzer/Monat — bei Actaport monatlich kündbar, bei Legalvisio im Jahresvertrag.

Anbieter A · Actaport

Actaport

Profil →

Actaport ist eine 100% browserbasierte Kanzleisoftware mit Hosting auf Azure DE (georedundant). Microsoft 365 ist im Tarif inkludiert, eine eigene generative KI gibt es nicht — KI kommt über Drittanbieter wie Justin Legal oder JUPUS. Sweet-Spot: Einzelanwälte und Kanzleien bis ~5 Berufsträger, die ein konsistentes Microsoft-Ökosystem wollen, ohne separate M365-Lizenzen zu kaufen.

CloudAb 79,00 €
Anbieter B · Legalvisio

Legalvisio

Profil →

Legalvisio ist eine Cloud-Software aus Bonn, seit 2023 Tochter der Scopevisio AG. Gehostet auf AWS DE, mit Microsoft-Word-Add-In statt vollem M365-Bundle. Stärken: ausgereiftes Rechtsschutz-Modul, Datenmigrations-Service und ein Gründerangebot (6 Monate kostenfrei, danach 50% in Monaten 7–12). Sweet-Spot: Gründerkanzleien und kleine Teams mit Hourly-/RVG-Mix.

CloudAb 79,80 €

Auf einen Blick

DimensionActaportLegalvisio
HostingAzure DE (georedundant)AWS DE
Pricing ab€79/Monat (Starter, monatlich)€79,80/Monat (Basis, Jahresvertrag)
Microsoft 365 inklusiveJaNein (Add-In)
Word-IntegrationÜber M365Natives Add-In
beA-AnbindungJaJa
Mandantenportale.Consult (ab Professional)Nicht beworben
MobileBrowser (responsive)Browser (responsive)
GründerangebotNein6 Monate kostenfrei + 50% in M7–12
01

Pricing-Modelle im Detail

Auf dem Datenblatt liegen die Einstiegspreise nur 80 Cent auseinander — aber das Modell dahinter ist anders aufgebaut.

Actaport ruft im Starter-Tarif €79/Nutzer/Monat auf, monatlich abgerechnet, maximal 2 Lizenzen, 200 GB Speicher. Professional (€109/Nutzer/Monat) entfernt das Lizenzlimit und bringt das Mandantenportal e.Consult sowie Forderungsmanagement mit. Enterprise ist Custom-Pricing. Keine Jahresvertrags-Rabatte sind veröffentlicht — Actaport differenziert über Funktionsumfang, nicht über Laufzeit.

Legalvisio dreht das um: Listenpreis ist die Monatszahlung. Basis monatlich kostet €109,80/Nutzer/Monat — fast exakt das Actaport-Professional-Niveau. Erst der Jahresvertrag bringt den Preis auf €79,80/Nutzer/Monat (27% Rabatt). Plus-Tarif: €132,35/Monat monatlich, €96,18 im Jahresvertrag. Wer mit Legalvisio die €79er-Marke erreichen will, bindet sich also für 12 Monate.

Der eigentliche Pricing-Kicker bei Legalvisio ist das Gründerangebot: 6 Monate komplett kostenfrei, Monate 7–12 zu 50% — bei 24-Monats-Bindung. Für eine Gründerkanzlei sind das in den ersten 12 Monaten Einsparungen von ~€760/Berufsträger gegenüber dem regulären Jahresvertrag. Actaport hat hier nichts Vergleichbares im Schaufenster.

02

Funktionen im Side-by-Side

Beide Tools decken den deutschen Standard-Workflow ab: Aktenführung, DMS, Fristen, beA, Abrechnung. Die Unterschiede liegen in den Adjazenzfunktionen.

Actaport-Stärken: integriertes Mandantenportal e.Consult ab Professional, Forderungsmanagement als nativer Bestandteil, Vorlagen-Bibliothek mit Volltextsuche über alle Dokumente. Eine generative KI ist nicht eingebaut — die Vendor-Antwort lautet, KI über Justin Legal (ChatGPT-basiert) oder JUPUS einzubinden, mit eigenem Abo des Drittanbieters. Datenresidenz der Drittanbieter-KI ist nicht garantiert.

Legalvisio-Stärken: ausgereiftes Rechtsschutz-Modul (in DACH-Cloud-Tools selten so tief), granulare Rechte- und Audit-Log-Strukturen, DATEV-Export von Hause aus, dedizierter Datenmigrations-Service vom Hersteller (kostenpflichtig). Eine eigene KI-Funktion wird auf der Vendor-Site Stand 05/2026 nicht beworben — ein Differenzierungsrisiko gegenüber RA-MICRO (JURA KI) und Kleos (Kleos Expert AI).

FunktionActaportLegalvisio
Aktenführung mit WorkflowsNativNativ
DMS mit VolltextsucheNativNativ
beA-AnbindungNativNativ
RVG-AbrechnungNativNativ
Stundensatz-/Hourly-AbrechnungNativNativ
Rechtsschutz-AbrechnungEingeschränktNativ (ausgereift)
Mandantenportale.Consult (ab Professional)Nicht beworben
DATEV-ExportEingeschränktNativ
Word-IntegrationÜber inkludiertes M365Natives Add-In
Generative KINur über DrittanbieterNicht beworben
ForderungsmanagementNativÜber Finanz-Modul
03

Hosting & DSGVO

Beide Anbieter hosten ausschließlich in Deutschland — bei Actaport auf Microsoft Azure (georedundant), bei Legalvisio auf AWS. Aus DSGVO-Sicht sind beide Setups belastbar; aus Compliance-Sicht ist der entscheidende Punkt, dass beide US-Hyperscaler unter den CLOUD Act fallen. Wer eine garantierte Nicht-US-Cloud will, findet sie bei keinem der beiden.

Für den überwiegenden Mandantenstamm einer Kanzlei mit B2B- oder Konsumentenmandaten ist die DSGVO-Konformität ausreichend dokumentiert: AV-Vertrag, technisch-organisatorische Maßnahmen, ISO-27001-zertifizierte Rechenzentren. Wer Mandate mit besonders sensiblem Bezug (Verfassungsschutz, hochsensible M&A-Deals) bearbeitet, sollte sich die genauen Subunternehmer-Listen geben lassen — Microsoft Azure DE hat hier eine etwas tiefere Compliance-Dokumentation als AWS Frankfurt.

Actaports Azure-Setup ist georedundant über zwei deutsche Regionen ausgelegt. Legalvisio nennt AWS DE ohne weitere Georedundanz-Aussage. Für RTO/RPO-kritische Setups ist die Actaport-Architektur defaultmäßig robuster.

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Microsoft-365-Integration: bundle vs. Add-In

Das ist der größte praktische Unterschied im Alltag.

Actaport inkludiert Microsoft 365 im Lizenzpreis. Bedeutet: Word, Outlook, Excel, OneDrive — alles über denselben Vertrag. Für eine Kanzlei, die heute noch ein Sammelsurium aus Einzel-M365-Lizenzen und Kanzleisoftware-Lizenzen pflegt, ist das eine erhebliche Vereinfachung im Vendor-Management. Word-Dokumente werden über die M365-Web-Apps oder Desktop-Word direkt aus der Akte heraus geöffnet und automatisch zurückgespeichert.

Legalvisio bündelt M365 nicht. Stattdessen liefert es ein natives Microsoft-Word-Add-In, das tiefer integriert ist als die meisten Konkurrenten — Vorlagen, Aktendaten, Schreibverbund werden direkt in Word geladen. Die Kanzlei behält ihre bestehende M365-Lizenz (oder kommt komplett ohne M365 aus und nutzt nur Word Standalone). Für Kanzleien, die ihre M365-Lizenzen über Volumenverträge bereits günstig haben, ist das die finanziell sauberere Variante. Für Kanzleien ohne M365-Lizenz ist Actaports Bundle der einfachere Weg.

Merkregel: Wer M365 schon hat → Legalvisio. Wer M365 noch nicht hat → Actaport.

05

Skalierung & Firm-Fit

Beide Tools sind primär auf Kanzleien bis ~20 Berufsträger zugeschnitten. Darüber hinaus tritt schnell die Konkurrenz aus dem Mid-Market-Segment auf den Plan (WinMACS, Kleos, AnNoText).

Actaport ist im Solo- und 2-5-Segment am stärksten, weil das Starter-Pricing und das M365-Bundle dort den größten Effekt haben. Skalierung auf 6-20 funktioniert über den Professional-Tarif; ab 21-50 wird Enterprise nötig, was Custom-Pricing ohne öffentliche Vergleichbarkeit bedeutet. In dieser Größenordnung wird der M365-Vorteil oft durch existierende Enterprise-Verträge irrelevant.

Legalvisio adressiert dieselben Bänder, mit etwas mehr Gewicht auf Gründerkanzleien (via Gründerangebot). Ab 21-50 verliert es deutlich — das Rechtsschutz- und RVG-Profil bleibt zwar stark, aber Reporting-Tiefe und Workflow-Customizing erreichen nicht das Niveau von WinMACS oder Kleos.

Wer plant, in den nächsten 24 Monaten von 5 auf 25 Berufsträger zu wachsen, sollte den Tool-Wechsel im Vorfeld einplanen — beide Tools sind hier keine Endstationen.

  • Solo bis 5 Berufsträger: Beide Tools voll passend; Pricing-Detail entscheidet.
  • 6–20 Berufsträger: Beide Tools tragen; Funktionsbreite wird wichtiger als Preis.
  • 21–50 Berufsträger: Beide an der oberen Grenze; Mid-Market-Alternativen prüfen.
  • 50+ Berufsträger: Weder Actaport noch Legalvisio sind die Standardwahl.
06

Onboarding-Erfahrung

Beide Tools sind cloud-only und versprechen schnelles Setup — was bei Cloud-Natives plausibel ist, aber im Detail Unterschiede zeigt.

Actaport: Standard-Onboarding ist im Professional-Tarif kostenfrei enthalten, im Starter-Tarif zubuchbar. Advanced-Onboarding kostet €1.999 einmalig (für strukturierte Migration aus RA-MICRO/advoware/CSV), Premium €4.999. Die typische Setup-Zeit liegt bei 1–4 Wochen, je nach Datenmenge und Vorlagen-Komplexität. Vendor-Implementierung läuft direkt (kein Partnernetz nötig).

Legalvisio: Datenmigrations-Service ist als kostenpflichtige Leistung verfügbar, vom Hersteller selbst durchgeführt. Onboarding für Gründerkanzleien ist im Gründerangebot besonders stark unterstützt — der Vendor adressiert hier explizit den Use-Case „erste Kanzleisoftware“. Setup-Zeit ebenfalls 1–4 Wochen, ähnliche Komplexität.

In beiden Fällen ist die Migration aus RA-MICRO oder advoware unkritisch — die Standard-Exporte (Akten-CSV, Adressen-CSV, Dokumenten-Tree) werden von beiden Tools verarbeitet. Komplexer wird es bei DATEV-Anwalt-classic-Migrationen, weil DATEV-Datenstrukturen tief verschachtelt sind.

Entscheidungsregeln

Wann Actaport?
  • Sie haben heute keine Microsoft-365-Lizenzen und wollen Word/Outlook im selben Vertrag wie die Kanzleisoftware.
  • Sie wollen monatlich kündbar bleiben (kein 12-Monats-Vertrag).
  • Sie planen ein Mandantenportal ohne Drittanbieter — e.Consult ist ab Professional dabei.
  • Sie wollen Azure DE statt AWS DE (Hyperscaler-Präferenz, georedundante Architektur out of the box).
  • Sie sind eine 2-5-Berufsträger-Kanzlei und kommen mit dem Starter-Lizenzlimit (max. 2 Lizenzen) ein paar Monate aus, bevor Sie auf Professional wechseln.
Wann Legalvisio?
  • Sie gründen gerade — das Gründerangebot (6 Monate kostenfrei + 50% in M7–12) ist konkurrenzlos.
  • Sie haben M365-Lizenzen bereits über einen Volumenvertrag und wollen nicht doppelt zahlen.
  • Sie brauchen tiefe Rechtsschutz-Abrechnung (RSV-Anbindung, automatisierte Deckungsanfragen).
  • Sie arbeiten viel in Word und wollen das beste native Add-In im Cloud-Segment.
  • Sie planen eine 12+ Monate-Bindung und wollen den Jahresvertrags-Rabatt von 27% mitnehmen.

Unser Fazit

Die Kurzfassung: Actaport gewinnt für Kanzleien ohne bestehende M365-Lizenzen und für Solos/Kleinteams, die monatlich kündbar bleiben wollen. Legalvisio gewinnt für Gründerkanzleien (Gründerangebot ist Marktbestpreis) und für Teams, die ihre M365-Welt schon haben und ein erstklassiges Word-Add-In plus Rechtsschutz-Tiefe brauchen. Beide sind im Funktionskern für 95% der kleinen und mittleren Kanzleien ausreichend; die eigentliche Differenzierung liegt im Geschäftsmodell, nicht im Feature-Set. Wer hier zwischen zwei Stühlen sitzt, sollte beide Demos in derselben Woche machen und das Pricing für die eigene 24-Monats-Trajektorie durchrechnen — der Preisunterschied über die Vertragslaufzeit ist substanziell.

Häufige Fragen

Was kostet Actaport vs. Legalvisio konkret pro Nutzer und Monat?
Actaport Starter: €79/Nutzer/Monat (monatlich abgerechnet, max. 2 Lizenzen). Actaport Professional: €109/Nutzer/Monat. Legalvisio Basis: €109,80/Nutzer/Monat monatlich oder €79,80 im Jahresvertrag (27% Rabatt). Legalvisio Plus: €132,35/Monat monatlich, €96,18 im Jahresvertrag. Alle Preise zzgl. USt. Stand 05/2026.
Ist Microsoft 365 bei einem der Tools inklusive?
Ja, bei Actaport. Word, Outlook, Excel und OneDrive sind im Tarif enthalten — es muss keine separate M365-Lizenz gekauft werden. Bei Legalvisio nicht: dort liefert der Vendor ein natives Word-Add-In, das eine bestehende Word-Lizenz erweitert. Kanzleien mit existierenden Volumenverträgen fahren mit Legalvisio oft günstiger; Kanzleien ohne M365 mit Actaport.
Welche generative KI bieten die beiden Tools?
Stand 05/2026 bieten weder Actaport noch Legalvisio eine eigene native generative KI an. Actaport setzt auf Drittanbieter-Integrationen (Justin Legal, JUPUS — beide mit eigenem Abo). Legalvisio bewirbt keine KI-Funktion. Wer auf KI-Differenzierung Wert legt, sollte RA-MICRO (JURA KI mit lokaler Anonymisierung) oder Kleos (Kleos Expert AI) in den Vergleich aufnehmen.
Wo werden die Daten gehostet?
Actaport hostet auf Microsoft Azure in Deutschland, georedundant über zwei deutsche Regionen. Legalvisio hostet auf AWS in Deutschland. Beide Anbieter unterliegen damit dem US-CLOUD-Act, weil sowohl Microsoft als auch AWS US-Konzerne sind. Für Standard-Kanzleimandate ist die DSGVO-Konformität (AV-Vertrag, TOMs, ISO 27001) ausreichend; für hochsensible Mandate sollte ein hyperscaler-unabhängiger Anbieter geprüft werden.
Kann ich von RA-MICRO oder advoware zu Actaport oder Legalvisio wechseln?
Ja. Beide Anbieter unterstützen Migrationen aus RA-MICRO und advoware über Standard-Exporte (CSV für Akten, Adressen, Termine; Dokumenten-Tree für DMS). Actaport bietet Advanced-Onboarding für €1.999 und Premium für €4.999. Legalvisio rechnet den Datenmigrations-Service separat ab und führt die Migration intern durch. Setup-Zeit in beiden Fällen 1–4 Wochen.
Was ist die effektive Preisersparnis beim Legalvisio-Gründerangebot?
Im Gründerangebot zahlt eine Kanzlei in den ersten 6 Monaten €0, in Monaten 7–12 50% des Basis-Jahresvertrags-Preises (€39,90/Nutzer/Monat). Vertragslaufzeit: 24 Monate. Über das erste Jahr ergibt sich für 1 Berufsträger eine Ersparnis von ~€720 gegenüber dem regulären Jahresvertrag und ~€1.080 gegenüber dem monatlichen Tarif. Ab Monat 13 gelten die regulären Jahresvertragspreise.

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