Spellbook vs. Definely
Zwei Microsoft-Word-Add-Ins für Vertragsarbeit, zwei sehr unterschiedliche Käufer-Profile. Spellbook ist Mid-Market mit transparentem SaaS-Pricing, Definely ist UK-BigLaw-Standard mit Microsoft-M12-Rückendeckung. Wann passt welches Tool — und was DACH-Kanzleien rechtlich prüfen müssen.
Spellbook ist ein kanadischer Word-AI-Vendor (Rally Legal Inc.) mit transparenten Listenpreisen ab ~75 USD/Sitz/Monat im Associate-Tier (~€69,76), aufsteigend bis ~350 USD/Sitz/Monat im Enterprise. Stärken: Self-Service-Onboarding, Red-Flag-Review, schnelle Klausel-Generierung — ideal für Transactional-Boutiques und Mid-Market-Kanzleien mit US/UK-Mandantenkontakt. Definely ist ein britischer Word-AI-Vendor (London, Series B 03/2025 mit Microsoft M12) mit quote-only-Pricing und tieferer Integration in iManage und NetDocuments. Stärken: Definitions-Konsistenz, Cross-Reference-Audit, KI-Drafting (Definely Proof) plus Klausel-Library (Vault). Sweet-Spot: Magic-Circle, White-Shoe und Mid-/BigLaw-Drafting-Teams mit komplexem M&A-, Finance- und SPA-Anteil. Für DACH-Kanzleien ist beider Einsatz nur nach sorgfältiger AVV-/SCC-/DSGVO-Prüfung sinnvoll: weder Spellbook noch Definely sind out-of-the-box DACH-tauglich.
Spellbook
Spellbook ist das Produkt der Rally Legal Inc. aus St. John's (Kanada), gegründet 2018. ~25 Mio. USD Funding (Moxxie Ventures, Inovia). Seit 2022 als GPT-4-basiertes Word-Add-In im Markt, heute in über 80 Ländern bei 4.500+ Teams im Einsatz. Modelle: GPT-4, GPT-4o, Claude 3.5 (Multi-Model-Stack). Datenresidenz: customer_choice (US/EU wählbar; sovereign-DE-Hosting nicht angeboten). Pricing ist die zentrale Differenzierung: Associate-Tier öffentlich ausgeschrieben, Premium/Enterprise quote-only.
Definely
Definely ist ein Londoner Word-Add-In-Vendor (gegründet 2018 von Nnamdi Emelifeonwu und Feargus MacDaeid). Origin-Story als Accessibility-Tool für Definitionen, heute breite Drafting-Suite mit vier Modulen — Draft, Review, Proof (KI) und Vault (Enterprise-Klausel-Library). Series B im März 2025: 30 Mio. USD; Lead Revaia, mit Microsoft M12 und Octopus Ventures als Co-Investoren. Modelle: Azure OpenAI GPT-4/GPT-4o (Azure-first durch M12-Investment). Datenresidenz UK + EU wählbar für Enterprise. Adoption: Magic Circle und White Shoe (Linklaters, Allen Overy Shearman, Clifford Chance nutzen Definely in DACH-Teams).
Auf einen Blick
| Dimension | Spellbook | Definely |
|---|---|---|
| Word-Add-In nativ | Ja (Office.js) | Ja (Office.js, on-Cloud + Desktop) |
| Pricing-Transparenz | Associate-Tier öffentlich (~75 USD/Sitz/Mo.) | Quote-only ab Team-Tier; Solo historisch ~33 EUR/Mo. |
| Einstiegspreis | ~75 USD/Sitz/Mo. (Associate, annual) ≈ €69,76 | Solo ~33 EUR/Mo.; Team-Tier ~50–80 GBP/Sitz/Mo. (Schätzung) |
| Enterprise-Ceiling | ~179–350 USD/Sitz/Mo. (Drittquellen) | Höher; signifikant höher mit Vault + Proof |
| Klausel-Risiko-Scoring / Red-Flag-Review | Native (Spellbook Review) | Native (Definely Review) |
| Klausel-Generierung / Drafting-Assist | Native (Spellbook Suggest / Agent beta) | Native (Definely Proof, GA 2024) |
| Definitionen-Konsistenz / Cross-References | Mittel | Kern-USP (Definely Draft + Review) |
| Klausel-Library | Playbook-PDFs / Templates | Definely Vault (Enterprise-Tier) |
| iManage-Integration | Eingeschränkt / via Word-Save-Path | Native (Direct-File-Open) |
| NetDocuments-Integration | Eingeschränkt | Native (Direct-File-Open) |
| EU-/DE-Datenresidenz | Customer-Choice (EU für Enterprise) | UK + EU-Region (Enterprise wählbar) |
| Sovereign-DE-Hosting (BSI C5 / §203 StGB) | Nein | Nein |
| Modelle | GPT-4, GPT-4o, Claude 3.5 | Azure OpenAI GPT-4 / GPT-4o |
| Setup-Zeit | Self-Service, 1–2 Wochen | Self-Service Solo; Enterprise via M365-Admin, 1–2 Wochen |
| Sweet-Spot Firmengröße | Solo bis 200+ (breitester Tier-Aufbau) | 6–200+ (BigLaw-Fokus) |
Wer ist wer? Zwei Word-Add-Ins, zwei Käufer-Profile
Auf den ersten Blick sehen Spellbook und Definely sehr ähnlich aus: beide laufen als Microsoft-Word-Add-In direkt im Drafting-Workflow, beide haben KI-Vorschläge, Klausel-Generierung und Review-Funktionen. Aber das Käufer-Profil ist fundamental anders.
Spellbook (Rally Legal Inc., St. John's, Kanada) ist Mid-Market-SaaS — transparente Per-User-Pricing, Self-Service-Onboarding, breite Adoption in 80+ Ländern bei 4.500+ Teams. Funding 2022–2025 rund 25 Mio. USD (Moxxie Ventures, Inovia). Das Tool ist für Transactional-Lawyers in 2–50-Anwalt-Boutiques gebaut: Vertragsdraft, Red-Flag-Review, Klausel-Vorschläge gegen Playbooks. Self-Install im Word, keine Procurement-Verhandlung nötig.
Definely (Definely Ltd., London) ist das andere Ende: UK-BigLaw-Standard, gegründet 2018 von zwei Ex-Freshfields-Anwälten (Nnamdi Emelifeonwu und Feargus MacDaeid). Series B im März 2025 (30 Mio. USD; Lead Revaia, mit Microsoft M12 als strategischem Co-Investor) — das M12-Investment ist im Kontext der Robin-AI-Übernahme durch Microsoft besonders relevant: Microsoft positioniert Definely als komplementäres Word-Add-In zu Microsoft 365 Copilot. Adoption: Magic Circle und White Shoe (Linklaters, Allen Overy Shearman, Clifford Chance, Freshfields).
Der Unterschied übersetzt sich in Funktion: Spellbook ist 'die KI redigiert deinen Vertrag', Definely ist 'die KI sorgt dafür, dass dein 200-Seiten-LPA strukturell konsistent ist und Cross-References stimmen'. Spellbook gewinnt bei Geschwindigkeit und Pricing-Transparenz, Definely bei Tiefe der Vertragsmechanik.
Pricing: Listenpreise vs. Quote-only
Spellbook publiziert Listenpreise. Der Associate-Tier kostet ~75 USD/Sitz/Monat im Jahresvertrag (entspricht ~€69,76 bei FX 0,93). Dritt-quellen wie hyperstart.com nennen einen Pro-Tier ab ~20 USD/Monat (eingeschränkter Funktionsumfang), Team-Plans ab ~40 USD/Sitz/Monat und Enterprise zwischen ~179–350 USD/Sitz/Monat (für Spellbook Suggest, Agent und Custom-Playbook-Funktionen). Mindestvertragslaufzeit 6 Monate; ein 5-Personen-Team auf Associate landet bei rund 4.500 USD/Jahr (~€4.185).
Definely ist heterogen aufgestellt: Der historisch sichtbare Solo-Tier liegt bei ~29 GBP/Monat (~€33), Team-/Firm-Tiers sind quote-only mit Sekundärwerten von ~50–80 GBP/Sitz/Monat. Enterprise (mit Definely Vault und Definely Proof) ist signifikant höher — quote-driven, typischerweise im Bereich 200–400 GBP/Sitz/Monat bei größeren Kanzleien. Definely Solo ist damit der einzige Definely-Pfad mit voller Pricing-Transparenz; alles oberhalb läuft über Sales.
Für eine reine Kosten-Optimierung im Mid-Market gewinnt Spellbook. Für eine Magic-Circle- oder BigLaw-Kanzlei mit ohnehin existierender Microsoft-365-/iManage-Architektur ist Definely Enterprise oft die Wahl — nicht wegen niedrigeren Preises, sondern wegen tieferer DMS-Integration und Vault-Klausel-Library.
| Tier | Spellbook (USD/Sitz/Mo.) | Definely (EUR/Sitz/Mo., Schätzung) |
|---|---|---|
| Pro / Solo | ~20 (Pro, Drittquelle) | ~33 (Solo, historisch) |
| Associate / Team | ~75 (Associate, annual) | ~58–93 (Team, GBP 50–80) |
| Premium / Firm | ~179 (Drittquelle) | Quote-only (höher) |
| Enterprise | ~250–350 (Drittquelle) | Quote-only (mit Vault + Proof) |
| Setup-Fee | 0 (Self-Service) | 0 (Self-Service Solo); Enterprise: M365-Admin-Setup |
Funktionsumfang: was beide gut können — und wo sie sich unterscheiden
Beide Tools decken den Word-AI-Standard ab: Klausel-Vorschläge, Risk-Scoring, Red-Flag-Review, Drafting-Assist. Die echten Unterschiede liegen in der strukturellen Tiefe und im Integrations-Stack.
Spellbook-Stärken: Schnelle Klausel-Generierung gegen interne Playbooks, automatisches Markup gegen Standard-Verträge (NDAs, MSAs, Vendor Agreements). Spellbook Review identifiziert Red Flags und Klausel-Risiken in Sekunden. Spellbook Suggest (Premium) liefert Klausel-Vorschläge mit Kontext, Spellbook Agent (Beta) automatisiert ganze Review-Workflows. Funktional besonders ausgereift im US-/Common-Law-Bias der Trainingsdaten — deutsche Verträge funktionieren, aber die Klausel-Empfehlungen sind weniger zielführend als bei DACH-Spezialisten (Legartis, Noxtua).
Definely-Stärken: Definely Draft (Definitionen-Sidebar, Auto-Navigation, Cross-Reference-Insert) ist Marktstandard für UK-BigLaw — kein anderes Tool macht Definitions-Konsistenz so gut. Definely Review prüft defined-but-unused-Terms, fehlende Definitionen und gebrochene Cross-References in 200-Seiten-LPAs oder SPAs. Definely Proof (GA 2024) bringt KI-Drafting und Q&A direkt im Vertrag, Definely Vault ist eine Enterprise-Klausel-Library mit semantic search. Tiefe Integration in iManage und NetDocuments (Direct-File-Open) plus SharePoint.
Übersetzt: Wenn die Hauptarbeit Standard-NDA-Reviews und Vendor-Vertrags-Markup ist, gewinnt Spellbook bei Geschwindigkeit und Pricing. Wenn die Hauptarbeit komplexe Finance- oder M&A-Dokumente mit Definitionen, Querverweisen und Klausel-Konsistenz sind, gewinnt Definely bei Tiefe.
| Funktion | Spellbook | Definely |
|---|---|---|
| Klausel-Generierung / Drafting-Assist | Native (Spellbook Suggest) | Native (Definely Proof, GA 2024) |
| Red-Flag-Review / Risiko-Scoring | Native (Spellbook Review) | Native (Definely Review) |
| Definitionen-Konsistenz | Mittel | Kern-USP (Definely Draft) |
| Cross-Reference-Audit | Mittel | Native (Definely Review) |
| Klausel-Library / Vault | Playbook-PDFs (eingeschränkt) | Native (Definely Vault, Enterprise) |
| Markup gegen Standard-Verträge | Kern-USP | Funktional vorhanden, weniger fokussiert |
| iManage / NetDocuments-Integration | Eingeschränkt | Native (Direct-File-Open) |
| Microsoft 365 / Word-Tiefe | Office.js Self-Install | Office.js Cloud + Desktop |
| Multi-Model-Stack | GPT-4 + GPT-4o + Claude 3.5 | Azure OpenAI GPT-4 / GPT-4o |
| Negotiation-Assist | Beta (Spellbook Agent) | Über Definely Proof |
EU- und DE-Datenresidenz: was DACH-Kanzleien prüfen müssen
Hier kommt der wichtigste Punkt für jede DACH-Kanzlei, die eines der beiden Tools einführen will.
Spellbook ist als kanadisches SaaS auf customer-choice-Datenresidenz aufgebaut: Enterprise-Kunden können EU-Hosting wählen, die Standard-Region ist US/CA. Die Multi-Model-Architektur (GPT-4, GPT-4o, Claude 3.5) bedeutet, dass die LLM-Calls an OpenAI bzw. Anthropic gehen — beide US-Anbieter. Für DACH-Kanzleien heißt das: AVV mit Spellbook (Rally Legal Inc.) plus separater Sub-Processor-Liste für OpenAI/Anthropic, Schrems-II-Folgenabschätzung, Standardvertragsklauseln (SCC) für den Drittlandstransfer.
Definely ist als UK-Vendor auf UK- und EU-Region aufgebaut (Enterprise wählbar). Die Modelle laufen über Azure OpenAI EU — das ist regulatorisch sauberer als ein Direkt-Call zu OpenAI US, aber Azure OpenAI ist immer noch Microsoft-Cloud unter dem CLOUD Act. Auch hier: AVV, SCC, Sub-Processor-Listen, Schrems-II-Folgenabschätzung.
Für einen typischen DACH-Mandantenstamm (B2B, Konsumenten, GwG-Mandate) ist beides mit dem Standard-DSGVO-Setup machbar. Für hochsensible Mandate (Strafrecht, M&A mit Verfassungsbezug, hochwertige Konzern-Compliance) wird der CLOUD-Act-Riss zu einem KO-Kriterium — dann gehören Noxtua (Sovereign Open Telekom Cloud, BSI C5, ISO 42001) oder andere DE-souveräne Optionen in die Shortlist, nicht Spellbook oder Definely.
Konkrete Prüf-Checkliste für die DSB- oder GDPR-Abteilung: 1) Aktuelle Sub-Processor-Liste anfordern und prüfen, welche US-Subunternehmer im Datenfluss stehen. 2) AVV nach Art. 28 DSGVO mit dokumentiertem EU-Hosting-Add-on. 3) Schrems-II-TIA (Transfer Impact Assessment) für den US-Drittlandstransfer. 4) Klären, ob Mandantendaten als Training-Daten verwendet werden können (beide Vendoren sollten das explizit ausschließen). 5) §43e BRAO / §203 StGB-Bewertung — bei Strafmandaten oder schutzwürdigen Berufsgeheimnis-Daten ist sovereign-DE-Hosting (Noxtua) der sicherere Pfad.
DMS-Integration: iManage und NetDocuments im Vergleich
Für Kanzleien, die ein etabliertes DMS einsetzen, ist die Integration entscheidend.
Definely ist hier deutlich stärker. Native iManage Work-Integration (Direct-File-Open) bedeutet, dass Anwälte Verträge direkt aus iManage öffnen, Definely-Tools laufen on-document, und die finale Version landet ohne Definely-Spuren ('Clean Save') wieder im DMS. NetDocuments und SharePoint funktionieren analog. Für Magic-Circle- und BigLaw-Kanzleien, die ohnehin auf iManage als DMS-Standard fahren, ist das die zentrale Adoption-Begründung.
Spellbook arbeitet weniger DMS-zentrisch. Die Standard-Integration läuft über den Word-Save-Path — der Anwalt öffnet Word, Spellbook ist als Add-In aktiv, und die finale Datei wird über den normalen Word-Save-Workflow ins DMS gelegt. Native Direct-File-Open in iManage oder NetDocuments ist nicht im selben Reifegrad. Für Kanzleien ohne komplexe DMS-Architektur (Standalone-Solos, Boutiques mit OneDrive/SharePoint-basiertem Setup) ist das ausreichend; für BigLaw mit iManage-Workflows ist das eine spürbare Lücke.
Wenn die Kanzlei keine iManage- oder NetDocuments-Investition hat, ist die Integrations-Differenz weniger relevant. Wenn iManage Teil der DMS-Architektur ist, gibt Definely einen produktiv-praktischen Vorteil.
KI-Modelle und Datenflüsse
Beide Anbieter laufen auf GPT-4-Klasse-Modellen, aber das Backend ist unterschiedlich.
Spellbook nutzt einen Multi-Model-Stack: GPT-4 und GPT-4o von OpenAI plus Claude 3.5 von Anthropic. Der Vendor wechselt je nach Use-Case und Output-Qualität zwischen den Modellen. Für die DACH-DPO-Bewertung bedeutet das zwei US-Subprocessor-Konstellationen, die parallel im AVV abgebildet werden müssen.
Definely ist Azure-OpenAI-only — GPT-4 und GPT-4o über die Microsoft-Azure-Region (UK oder EU für Enterprise wählbar). Das Microsoft-M12-Investment im März 2025 verstärkt diesen Azure-First-Pfad. Aus DSGVO-Sicht ist Azure OpenAI EU eine etwas sauberere Konstellation als der OpenAI-Direct-Call: ein Subprocessor (Microsoft Azure) statt zwei (Microsoft + OpenAI), mit dokumentiertem EU-Datacenter und EU Data Boundary.
Für eine reine GDPR-Compliance-Sicht ist Definelys Azure-First-Architektur leicht im Vorteil. Für eine Multi-Model-Flexibilität (z.B. Claude für längere Kontexte, GPT-4o für Speed) ist Spellbook flexibler. Beide sind weit von einem sovereign-DE-Sovereign-Stack entfernt — wer den braucht, prüft Noxtua.
Entscheidungsregeln
- Die Kanzlei ist Transactional-Boutique mit hohem Volumen an Standard-NDAs, Vendor-Verträgen oder MSAs.
- Pricing-Transparenz ist wichtig — ein klar veröffentlichter Associate-Tier (~75 USD/Sitz/Mo.) erlaubt einfache Budget-Planung.
- Self-Service-Adoption ohne Procurement-Schleife: Self-Install im Word, sofort produktiv.
- Multi-Model-Flexibilität (GPT-4, Claude 3.5) wird einer Single-Vendor-Architektur vorgezogen.
- Die Kanzlei hat kein etabliertes iManage/NetDocuments-Setup und arbeitet primär in OneDrive/SharePoint/Word.
- Sweet-Spot: Solo bis 50-Anwalt-Boutique mit US/UK/Common-Law-Mandantenbasis.
- Die Kanzlei arbeitet primär an komplexen Finance-, M&A- oder SPA-Dokumenten mit umfangreichen Definitionen und Querverweisen.
- iManage oder NetDocuments ist DMS-Standard — native Direct-File-Open ist Adoption-relevant.
- Magic-Circle- oder White-Shoe-Profil: Adoption-Signal durch Linklaters, Allen Overy Shearman, Clifford Chance, Freshfields ist wichtig.
- Microsoft-M12-Investment und damit langfristige Microsoft-365-Roadmap-Stabilität ist ein strategisches Kriterium.
- Enterprise-Bedarf für Klausel-Library (Definely Vault) und KI-Drafting (Definely Proof) wird erwartet.
- Sweet-Spot: 21–200+-Anwalt-Mid-Firm oder BigLaw mit hohem Drafting-Volumen.
Unser Fazit
Spellbook gewinnt bei Transactional-Boutiques und Mid-Market-Kanzleien mit Standard-Vertragsvolumen — transparente Pricing-Struktur, Self-Service-Onboarding, Multi-Model-KI. Definely gewinnt bei komplexem Drafting (Finance, M&A, SPA) mit Definitions- und Cross-Reference-Tiefe sowie bei iManage-/NetDocuments-zentrischen DMS-Architekturen — UK-BigLaw-Standard, Microsoft-M12-Rückendeckung, Vault als Klausel-Library. Für US- und UK-anglo-Kanzleien sind beide echte Optionen, je nach Praxis-Profil. Für DACH-Kanzleien gilt: weder Spellbook noch Definely sind out-of-the-box-tauglich — beide brauchen sorgfältig geprüfte AVV-/SCC-/Sub-Processor-Setups. Für §203-StGB-relevante Mandate sind beide nicht der defensible Pfad — dann gehört Noxtua oder eine andere sovereign-DE-Lösung auf die Shortlist.
Häufige Fragen
- Was kostet Spellbook vs. Definely konkret pro Anwalt und Monat?
- Spellbook Associate (öffentlicher Listenpreis): ~75 USD/Sitz/Monat im Jahresvertrag (~€69,76 bei FX 0,93). Spellbook Premium/Enterprise (Drittquellen): ~179–350 USD/Sitz/Monat. Definely Solo (historisch sichtbar): ~29 GBP/Monat (~€33). Team-Tier (Sekundärwerte): ~50–80 GBP/Sitz/Monat. Enterprise mit Vault + Proof: quote-only, signifikant höher. Verifizierte Listenpreise nur Spellbook Associate und Definely Solo; alles darüber ist Sales-Verhandlung.
- Welche KI-Modelle laufen unter Spellbook und Definely?
- Spellbook nutzt einen Multi-Model-Stack: GPT-4 und GPT-4o von OpenAI plus Claude 3.5 von Anthropic. Definely läuft Azure-OpenAI-only (GPT-4, GPT-4o über Microsoft Azure). Aus DSGVO-Sicht ist Definelys Azure-First-Architektur etwas sauberer (ein Subprocessor statt zwei), aus Funktions-Sicht ist Spellbooks Multi-Model-Wahl flexibler.
- Sind Spellbook und Definely DSGVO-konform?
- Beide bieten EU-Datenresidenz an (Spellbook customer-choice für Enterprise, Definely UK + EU wählbar für Enterprise). DSGVO-Konformität ist mit AVV nach Art. 28, dokumentierter Sub-Processor-Liste und Schrems-II-TIA grundsätzlich abbildbar. Beide sind US- bzw. UK-Cloud-Setups und damit US-CLOUD-Act-betroffen — für §203-StGB-relevante Mandate (Strafrecht, Verfassungsbezug, hochsensible Geheimnisträger-Daten) ist sovereign-DE-Hosting (Noxtua) der defensible Pfad, nicht Spellbook oder Definely.
- Welches Tool integriert besser mit iManage und NetDocuments?
- Definely mit deutlichem Abstand. Definely bietet native Direct-File-Open für iManage Work, NetDocuments und SharePoint — Anwälte öffnen Verträge direkt aus dem DMS, Definely läuft on-document, und die Datei landet ohne Definely-Spuren ('Clean Save') wieder im DMS. Spellbook arbeitet primär über den Word-Save-Path; die DMS-Integration ist weniger ausgereift. Für BigLaw mit iManage-Standard ist Definely die produktiv-praktischere Wahl.
- Welches Tool eignet sich besser für eine 5-Anwalt-Transaktions-Boutique in DACH?
- Spellbook — wenn die Mandanten primär international/anglo sind und die Vertragsarbeit Standard-NDAs, Vendor- und Mandanten-Verträge umfasst. Self-Service-Onboarding, Associate-Tier-Pricing, schnelle Adoption ohne Procurement. Für ein DE-Recht-Schwerpunkt-Profil (Strafmandate, klassische BGB-/HGB-Verträge auf Deutsch) ist Noxtua oder Legartis die DACH-nähere Wahl — Spellbooks Trainingsdaten haben US/Common-Law-Bias.
- Hat das Microsoft-M12-Investment in Definely Konsequenzen für die Roadmap?
- Ja — strategisch. Microsoft positioniert Definely als komplementäres Word-Add-In zu Microsoft 365 Copilot, nicht als Substitut. Das reduziert Vendor-Risiko (Microsoft hat ein direktes Interesse am Erhalt der Definely-Plattform) und stabilisiert die Microsoft-365-Roadmap-Anbindung. Im Kontext der Robin-AI-Übernahme durch Microsoft im Januar 2026 ist das ein deutliches Signal: Definelys Definitions- und Cross-Reference-Funktionen werden voraussichtlich nicht von Microsoft Word AI absorbiert — Spellbooks Standard-Markup-Funktionen schon eher.
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